Ein
Lehmofen für Leteln
Kinder mit Feuereifer bei der Sache / Alte Bauarten kennen
lernen
Mit
großem Eifer bauen die Schülerinnen und Schüler
der Grundschule Leteln zur Zeit einen kleinen Lehmofen.
MT-Foto: Mißbach
Von
Ulrike Mißbach
Minden-Leteln
(mt). Wie schwer es Bauherren vor rund 200 Jahren hatten,
erleben zur Zeit Kinder der Grundschule Leteln. Hinter
dem Schulgebäude entsteht ein Lehmbackofen.
"Die
Schüler erfahren am eigenen Leib, wie anstrengend
körperliche Arbeit sein kann", erklärt
Lehmbauexperte Norbert Franzen, der die Aktion leitet.
So manche Schubkarre mit Sand muss bewegt und der Lehm
mit den Füßen vermengt werden - und das auch
bei kühleren Temperaturen. "Unsere Vorfahren
haben ihre Häuser, Hütten und Öfen ausschließlich
auf diese Art und Weise gebaut", erläutert Norbert
Franzen. Die Baumaterialien stammten alle aus der Region.
Auch
der Lehm für den Schulbackofen ist sozusagen gleich
vor der Tür zu finden, er stammt von einem Kieswerk
in Lahde und hat - so der Experte - eine hohe Klebequalität.
"Beim Bauen begreifen die Kinder auch, wie wichtig
Teamarbeit ist, denn viele Dinge können nur gemeinsam
erledigt werden", unterstreicht Franzen, der bereits
diverse ähnliche Aktionen in Kindergärten und
Schulen geleitet hat. Darüber hinaus ist Fingerspitzengefühl
gefragt, denn wenn der Lehm nicht gleichmäßig
auf der Oberfläche verteilt wird, entstehen Unebenheiten.
Doch trotz der Anstrengungen sind die kleinen Bauherren
mit Feuereifer bei der Sache. "Das ist viel schöner
als Rechnen und Lesen", schwärmen sie.
"Auf
dem kleinen Grundstück hinter der Schule soll ein
,Grünes Klassenzimmer’ entstehen", erzählt
Schulleiter Reinhard Wohl. Der Backofen bildet den Anfang.
Weitere Dinge - wie Sitzbänke, ein Schulgarten ect.
- sollen folgen. "Wir wollen unserem Namen ,Schule
im Grünen’ auf diese Weise noch mehr gerecht
werden", stellt der Schulleiter klar. Gleichzeitig
solle die Attraktion der Schule weiter gesteigert werden.
Bei künftigen Schulfesten sollen dann in dem kleinen
Schulofen Pizzen, Kuchen und vielleicht auch einmal Brot
gebacken werden.
Das
Geld für den Bau kam unter anderem beim großen
Schulfest vor ein paar Wochen zusammen, an dem sich alle
Vereine des Ortes beteiligt hatten. "Die Vereine
haben sich damit solidarisch zur Schule erklärt und
gezeigt, dass alle Letelner gemeinsam für den Erhalt
ihrer Schule kämpfen", stellt Schulleiter Wohl
klar. "Die Schule muss im Ort bleiben".
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16.05.2003
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